schamanenreich

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Verschiedenes/Bücher......
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Napiraila spürte den Trauerschleier herabsinken. Draußen ballte sich eben ein Gewitter zusammen, der Himmel auf der einen Seite dunkel, auf der anderen grau, der Wind ließ die Büsche und Bäume rauschen. Alles war so sinnlos. Sie hatte es auf der Fahrt zur Arbeit schon kommen gespürt. Wie ferngesteuert, ohne ein winziges Glücksgefühl oder ein Zipfelchen von Zufriedenheit in sich. Sie schob sich noch einen Bissen Käse in den Mund und dann ging es auch schon los, die Tränen kamen - sie fing an zu weinen. Der dicke Kloß im Hals ließ das Essen nicht mehr durch. Wie gut, das sie an ihrem Arbeitsplatz ganz alleine war. Sie schloss die Augen und da war er wieder, ihr Geistfreund Unkata. Er sprach ihr leise zu, dass er da wäre, sie nicht weiter fallen lassen würde und sie sah sich von ihm gehalten auf dem kleinen Felsvorsprung, unter sich die Tiefe - augenblicklich fühlte sie sich gestärkt - und dann kam auch schon ihr Krieger, ihr stolzer Kämpfer mit dem Bärentotem, er zog sie beide mühelos aus der Schlucht und brachte - vorerst nur sie - auf seinem Rücken zu ihren Geisteltern....
Sie machte die Augen wieder auf - gestärkt - mußte nicht mehr weinen. Sie fragte wie es kommt und Unkata antwortete:" Weil du dich nun spalten kannst. Deine trauernde Seite darf bei deinen Geisteltern sein
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Sie vergoß bittere Tränen. War sie wirklich so naiv gewesen, um das nicht zu sehen, was jetzt so klar vor ihr lag? Sie war ihm durchaus recht für unterhaltsame Stunden. Sie war so liebevoll und fügsam, wie man es sich nur wünschen konnte, aber mehr durfte nicht sein. Der Zorn packte Deborah, und ihre Verzweiflung schlug in eine streitbare, böse Stimmung um.
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"Dann geh, meine Tochter, geh. Das Glück ist nichts weiter als eine flüchtige Laune. Mimm es wahr!"
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Diese frivole Art, sich die Zeit zu vertreiben, in die sie sich in ihrem Zorn gestürzt hatte, schien ihren Kummer brutal erschlagen zu haben. So war es! Vor allem musste sie sich davor hüten, ihn überhaupt zu beachten. Sie fühlte, dass er in ihr verborgen lag, jederzeit bereit, sich anzuschleichen, zu springen, sie zu packen, wenn sie ihm diese Aufgabe nur im geringsten erleichterte.....Aber jetzt war Schluß! Diesmal war das Maß voll und sobald sich der Kummer nur regte, erstickte sie ihn in einem zügellosen Tanz oder einem Kuß, den sie dem einen oder anderen ihrer Anbeter gewährte. Ein solcher Egoist war gewiß all dieser Mühe nicht wert. Mein Gott, wie dumm sie gewesen war, sich einem einzigen Mann zu weihen, während sie eine so reiche Auswahl zur Verfügung hatte. Und was für einem Mann!.....Einem Undankbaren, der nur an sich selbst dachte, einem Barbaren, einem Schürzenjäger, der sich auch noch erdreistete, ihr Moralpredigten zu halten! Jedesmal, wenn ihr Craigs Name in Erinnerung kam, beeilte sie sich, ihn mit den schlimmsten Schimpfworten aus ihrem Repertoire zu verunglimpfen. (Anmerkung: Deborah kam letztendlich nicht von ihm los......und er nicht von ihr)
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"Dieser Ring ist eins der mir teuersten Erinnerungsstücke aus meiner Jugend. Ich trug ihn, als meine Schwester Maria (Maria Stewart) mich im Tower einkerkern ließ. Durch sie habe ich Schritt um Schritt erfahren, was für ein harter Kampf das Leben ist. Du wirst noch sehen, mein Kind, jeder von uns hat schwierige Zeiten, die er überwinden muss und ich wünsche dir, dass du dich dann dank dieses Rings an deine Herrscherin erinnerst und er dir Mut und Zähigkeit einflößt, denn du bist ein tapferes Mädchen und gefällst mir!" (sagt Elisabeth, Königin von England, 1558-1603, in diesem Roman zu Deborah)

(aus "Deborah, Geschichte einer Liebe" von Colette Davenat)

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Nun, sie hatte die feste Absicht, die beste Darstellung ihres Lebens zu liefern; der Glaube an die eigenen Fähigkeiten war ihr Wetteinsatz, den sie bei ihrer Entscheidung gegen die Sicherheit einer Nichbeteiligung in die Bresche geworfen hatte.
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In ihre alte Begrüßungsroutine (Robert:"Duschka!" Carla:"Bobby!") zu verfallen stellte die magische Verknüpfung zweier Verbündeter gegen den Rest der Welt sofort wieder her.
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Insgeheim hatte er befürchtet, sie könnten sich fremd geworden sein, denn Briefe waren keine Gespräche, und sie lebte in einer anderen Welt. Aber in dem Moment, als sie auf ihn zurannte, wußte Robert, daß er die verlorene Hälfte seiner Seele wiederhatte, sein anderes Selbst, und Entfremdungen waren unmöglich. Auch jetzt begriff sie ihn.
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...und seit dem Tag in München war in ihr die abergläubische Befürchtung aufgetaucht, bei den Parallelen in ihrer beider Leben könnte Monika sich so sehr aufregen, daß sie das Kind verlor.
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Die Briefe, oft nur ein paar kurze Zeilen, wurden eine Gewohnheit, die Carla nicht mehr aufgeben konnte. Sie glaubte in der Regel nur die Hälfte von dem, was Robert ihr erzählte, und nach einer Weile fing sie an, selbst Übertreibungen und erfundene Geschichten in ihre Briefe einfließen zu lassen, aber sie hätte um nichts in der Welt darauf verzichten mögen. Roberts Briefe waren wie die schimmernden schwarzweißen (Kino) Bilder, die sie selbst ohne ihre Brille deutlich erkannte, kleine Fluchtfenster aus ihrer engen Welt.
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....und solange es (das Gefühl) anhielt, vertrieb es die Trauer und das Entsetzen.
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"Ich war schon immer der Meinung, daß Blutsverwandtschaft überschätzt wird. Denk an unseren alten Wahlspruch.
K e i n e F a m i l i e n. Nur die, für die man sich selbst entscheidet." (Robert zu Carla)
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"Mein Leben ist eine einzige Katastrophe", sagte Robert.
"Zweifellos. Aber wann war es das nicht?" fragte Jean-Pierre
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Robert steckte immer in irgendwelchen Schwierigkeiten; das gehörte zu seiner Natur, und das wußten sie beide.
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Es hatte keinen Sinn, darüber nachzudenken. Dieser Teil ihres Lebens war vorbei und allein die Vorstellung, diese ständige Tortur einer Beziehung noch einmal von neuem zu beginnen, nachdem es lange genug gedauert hatte, bis sich das Band endlich löste, war absurd.
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Kathi fiel ihr ein, wie sie Heine rezitierte. "Denk ich an Deutschland in der Nacht, so bin ich um den Schlaf bebracht"......

(aus "Unter dem Zwillingsstern" von Tanja Kinkel)

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So symphatisch ihm der fettleibige Trunkenbold auch auf den ersten Blick vorgekommen sein mochte, war ihm seine jovial-oberflächliche Art im Grunde doch zutiefst zuwider.
Es machte ihm nichts aus. Mogens war zeit seines Lebens ein Einzelgänger gewesen, und in den zurückliegenden Jahren hatte er sich zudem an das Alleinsein gewöhnt. Dazu kam, dass ihn seine Arbeit bald so in Beschlag nahm, dass er jedwede Störung ohnehin nur als Belästigung empfunden hätte.
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"Aber habe ich aufgegeben? Nein! Ich verkrieche mich nicht beleidigt in einer Ecke und hadere mit dem Schicksal, Mogens. Und du solltest endlich auch damit aufhören!" "Warum tust du mir das an, Jonathan?" wimmerte Mogens. ..... "Damit du aufhörst dich selbst zu zerfleischen, Mogens." Graves Stimme wurde sanft. "Deine Trauer um Janice in Ehren, aber neun Jahre sind genug. Du tust Janice keinen Gefallen damit Mogens."
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Und das mit Recht. Graves hatte ihn nicht ein einziges Mal belogen. Ganz im Gegenteil: Der Einzie, der stets und beharrlich die Augen vor der Realität verschlossen hatte, war er.
Und irgendwie tat er das sogar jetzt noch, denn das Schlimmste war noch nicht vorbei, obwohl er es hätte wissen müssen. Er w u s s t e es. Graves hatte es ihm ja gesagt. Er hatte es einfach nicht wissen w o l l e n.
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Mogens war jedoch zutiefst erschrocken über die Intensität seines Hasses. Vielleicht stimmte es, was die Psychologen sagten, dass ein gewisses Maß an Rachegedanken, ja, sogar Hass durchaus gesund und bei der Überwindung eines traumatischen Erlebnisses hilfreich war. Doch das, was Mogens in sich spürte, war ganz gewiss nicht mehr gesund.
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..."Du weißt natürlich, dass das nicht der Fall sein wird. Es ist sogar nahezu vollkommen ausgeschlossen. Aber etwas genau zu wissen, hat noch nie jemanden davon abgehalten, an das genaue Gegenteil zu glauben."
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"Aber ich habe rasch gemerkt, wie sehr ich mich getäuscht habe. Vielleicht sind wir immer mit dem unzufrieden, was wir haben Und vielleicht merken wir immer erst dann, wie kostbar es ist, wenn wir es nicht mehr haben."
"Ich hätte Graves miemals vertrauen dürfen. Der Mann ist ein Monster."
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....aber zu wissen, dass etwas nicht sein konnte, hatte Menschen noch niemals daran gehindert, dennoch daran zu glauben.
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Selbst der Wissenschaftler in ihm schwieg, obwohl er noch vor weniger als einer Stunde die Existenz von etwas wie dem absolut Bösen oder auch Guten - vehement bestritten hätte. Waren dies doch Begriffe aus der Gefühls- und Gedankenwelt des Menschen, die in der rein logisch erklärbaren Welt der Wissenschaft nichts verloren hatten. Aber vielleicht war es genau umgekehrt. Vielleicht war es nicht die Wissenschaft, die als eherner Grundpfleiler das Gefüge des Universums stützte, sondern vielleicht waren es gerade Begriffe wie Gut und Böse, Richtig und Falsch, Glaube und Zweifel, die das Universum zusammenhielten, und vielleicht war es kein Zufall, dass seinen Geschöpfen zuerst das Fühlen gegeben wurde und erst dann das Denken.
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Du bist ihm gar nichts schuldig. Was immer er für dich getan hat oder auch nicht, geschah ganz gewiss nur aus Eigennutz. Mach dir bitte keine Vorwürfe."
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...es war schon erstaunlich, dachte er, wie schnell sich die menschlichen Sinne mit dem beschieden, was sie bekommen konnten, und einem das Gefühl gaben, ausreichend versorgt zu werden.